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Überbordende Bürokratie für Amazon Verkäufer

Als Gewerbetreibender gibt es durchaus gute Gründe sich der Dienstleistungen von Amazon zu bedienen, z.B. indem man direkt auf Amazon seine Artikel verkauft oder indem man für den eigenen Shop Amazon Pay benutzt, um seinen Kunden ein bequemeres Bezahlen zu ermöglichen. Jedoch steigt der bürokratische Aufwand den Amazon von seinen (deutschen) Nutzern in diesem Fall abverlangt schnell an die persönliche Toleranzschwelle, insbesondere, wenn man nur ein kleinere Ein- oder Zweimann-Firma mit vergleichsweise geringen Umsätzen ist.

Amazon verlangt §22f-Bescheinigung

Das fängt damit an, dass Amazon sobald man seine Umsatzsteuer-ID hinterlegt, sofort eine § 22f UStG Bescheinigung fordert, welche separat beim Finanzamt zu beantragen ist und auch nur 1 Jahr gültig, also regelmäßig zu erneuern ist. Antrag schreiben, Bescheinigung bekommen, alles schön in Papier und schriftlich und dann einmal einscannen, denn Amazon möchte kein dann doch kein Papier. Naja ein in Photoshop geübter Betrüger bastelt sich im zweifelsfall selbst eine solche §22-Bescheinigung. Der Mehrwert sei mal dahin gestellt.

Gewerbebestätigung bei Amazon hochladen

Nun müsste man ja meinen, wenn man so eine offizielle Bescheinigung vom Finanzamt hat, dann ist das ein hinreichender Beweis, dass das benannte Gewerbe real existiert und auch fleißig seine Steuern zahlt. Leicht getäuscht. Wenige Tage später fordert Amazon seinen Verkäufer im Amazon SellerCentral-Account auf, einen Beleg hochzuladen, welcher die Existenz des Gewerbes nachweist. Da kommt man ins Zweifeln. Hat man das nicht eben getan mit der §22f-Bescheinigung? Darüberhinaus wird gefordert, dass der Beleg nicht älter als 90 Tage ist. Da gibt es dann Empfehlungen, dass man eine Gewerbeanmeldung hochladen  oder irgendwelche Kammerregistrierungen, z.B. IHK. Die sind natürlich alle jünger als 90 Tage. Der einzige valide Vorschlag ist die Umsatzsteuervoranmeldung, welche die meisten mindestens vierteljährlich machen müssen. Aber Blindleistung lässt grüßen, man möchte ja nicht Amazon seine gesamten Finanzverhältnisse und Umsätze preisgeben. Das heißt man muss das Dokument noch bearbeiten und schwärzen.

Schwups hochgeladen. Fertig! Das wars! Erledigt! Geschafft!

Bankverbindung für Amazon bestätigen

Denkste! Als nächstes muss ein aktuelles Dokument hochgeladen werden, welches die Wahrhaftigkeit der Bankverbindung bestätigt. Ein aktuelles Schreiben der Bank oder ein aktueller Kontoauszug. Es muss aus dem Dokument mindestens die IBAN hervorgehen. Der Nutzen eines solchen Dokuments sei auch hier wieder in Frage gestellt; schließlich kann man sich soetwas auch in Word selber stricken. Lädt man seinen Kontoauszug hoch, ist man wieder mit Schwärzen beschäftigt, schließlich will man ja nicht irgendeinen Amazon-Mitarbeiter seine Finanzverhältnisse offenbaren.

Das man den bürokratischen Aufwand olympiareif machen kann, hat dann auch noch ein Support-Mitarbeiter bewiesen. Bezüglich einer Mitteilung an den Support, dass derzeit als Gewerbebeweis nur eine etwas ältere Gewerbeanmeldung zur Verfügung steht und die geforderten 90 Tage nicht eingehalten werden können, gab es als Antwort zurück, dass man sich die Gewerbeanmeldung von einem Notar bestätigen lassen sollte. Unterschrift mit Datum und Stempel würden reichen. Da bohnert der Hamster und das Schwein pfeift. Das ist genauso realitätsfern, wie so manch Grüner.

Was kommt als nächstes?

Man darf gespannt sein für welche unproduktiven Zeitfresser die Amazon-Bürokraten als nächste sorgen. Zweifelsohne ist da noch Steigerungspotential, um den Kleinunternehmer dieselbe Bürokratie aufzubürden, wie Großkonzernen.

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Amazon Business Prime: Wann erhalte ich meine Rechnung?

Als Gewerbetreibender kann es durchaus interessant sein Amazon Business Prime zu nutzen. Spart man sich doch die Versandkosten und kann somit viel kleinteiliger und schneller bestellen. Oder man kann mehrere Mitarbeiter freischalten für den Prime Service oder Terminlieferungen festlegen.

Der Prime Service ist schnell geklickt und genauso schnell ist Amazon bei der Abbuchung des Betrages von 83,30 EUR (brutto, Stand 2021). Bisher habe ich die Erfahrung gemacht, dass man die Rechnung entweder vor der Bezahlung oder zumindest zeitgleich erhält. Somit stellte sich am Tag der Abbuchung also die Frage:

Wo finde ich die Amazon Business Prime Rechnung?

Eingeloggt findet man relativ schnell den Weg dorthin wo die Rechnung liegen sollte. Einmal auf „Business Prime“ oben Rechts klicken.

Link zur Amazon Prime Rechnung

Dann nach unten scrollen und den hier gekennzeichneten Link anklicken.

Link zur Amazon Prime Rechnung

Jedoch wird man jäh ertäuscht, wenn man diesen Link direkt am Zahltag oder mehrere Tage danach anklickt. Es steht keine Rechnung zur Verfügung. Die Buchhalter in einem Unternehmen fangen dann an nervös zu werden. Buchen kann man es nicht, weil die qualifizierte Rechnung fehlt und die Salden fangen an zu differieren. Auch Unternehmer, die bezüglich der Umsatzsteuer der IST-Besteuerung unterliegen fragen sich, wie man bei der Umsatzsteuervoranmeldung damit umgehen soll.

Also, es nutzt alles nix, muss man den Support bemühen. Als erstes landet man da bei einem hoch-KI-intelligenten Chatbot, der, wie soll es anders sein, einem dem Weg zur Rechnung weist, wie oben bereits dargestellt, ohne den eigentlichen Inhalt der Frage zu verstehen. Kommt man mit der AI nicht weiter, landet man bei einem Chat-Partner von anscheinend menschlicher Natur. Dieser hat das Problem sogar verstanden und  freundlich mitgeteilt, dass die Rechnung erst ca. 7 Tage nach Abbuchung bereitgestellt wird.

Das ist zwar nicht gut, aber immerhin eine Aussage mit der man umgehen kann. Auch könnte man es im Rechnugsbereich oder bei den Häufig gestellten Fragen vermerken, so dass man sich unnötige Nachfragen und das Suchen und Rumgeklicke im Account spart.

Trotzdem ist dieses vorgehen untypisch und anzuprangern. Ein Buchhalter muss im Zweifelsfall mehrere Buchungen erzeugen, weil es erstmal als Anzahlung zu verstehen ist. Warum Amazon das so macht, kann nur gemutmaßt werden. Sicherlich hat Amazon Gründe die auf den eigenen Vorteil und nicht auf den Service bedacht sind. Es könnte ja passieren, dass ein Lastschrifteinzug fehlschlägt und rückgebucht wird. Keine Rechnung, keine Stornierung in der eigenen Buchhaltung und wer weiß was es noch für Gründe hat.

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§ 22f UStG Bescheinigung beantragen

Rutscht man als ehemaliger Kleinunternehmer mit Umsatzsteuerbefreiung, welcher Online-Handel betreibt, in die Umsatzsteuerpflicht, wird man mit dem vollen Spektrum der umsatzsteuerlichen Regulierungen konfrontiert. Sei es das Mini-One-Stop-Shop Verfahren, Reverse-Charge oder andere spannende Themen, die den innereuropäischen Handel betreffen.

Gesetz zur Marktplatzhaftung

Ein ironisch spannendes Thema, welches in diese Rubrik fällt, ist das Gesetz zur Marktplatzhaftung, welches es seit Dezember 2018 gibt. Hier hat man natürlich nur die großen Internet-Marktplätze ins Visier genommen, wie Ebay und Amazon, die Ihre Plattformen auch Dritten zum Verkauf derer Produkte überlassen. Hier haben sich natürlich viele Verkäufer, auch aus dem Ausland, getummelt, die fleißig an die deutschen Geizkragen minderwertige Artikel mit CE-Kennzeichnung (China Export) verkauft haben, ohne dass beim deutschen Fiskus auch nur ein Cent Märchensteuer ankam. Dass dies einem Finanzbeamten bis hin zum Finanzminister ein Dorn im Auge war, steht außer Frage. Im Amtsdeutsch musste also eine „Sicherung der Umsatzsteuereinahmen“ hergestellt werden. Führt ein externer Händler auf Amazon oder Ebay seine Umsatzsteuer nicht richtig ab, dann haftet jetzt der Marktplatzbetreiber, also zum Beispiel Amazon oder Ebay dafür.

Resultat für Online-Händler

Ein solches Haftungsrisiko lassen die Onlinemarktplattformen natürlich nicht auf sich sitzen. Dieses gilt es zu minimieren. Und an dieser Stelle, wo man eigentlich nur Gutes im Sinn hatte und die großen Player ein bisschen mehr in die Verantwortung nehmen wollten, wird dem sowieso schon hohen bürokratische Aufwand für kleinere Online-Händler bezüglich der Umsatzsteuer noch ein Sahnehäubchen aufgesetzt.

Man würde meinen, die Angabe der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-ID) bei Amazon oder Ebay sollte ausreichen. Denn darüber kann das betreffende Unternehmen in allen EU-Ländern umsatzsteuerlich identifiziert werden. Weit gefehlt! Wahrscheinlich hat hier mal ein Chinese, einfach die USt-ID eines anderen Unternehmens kopiert, denn im Kopieren sollen die Chinesen angeblich gut sein. Amazon und Co. verlangen darüber hinaus eine §22f UstG Bescheinigung, welche, damit die unproduktive Arbeit nicht ausgeht, zudem noch zeitlich befristet ist, also regelmäßig erneuert werden muss. Reicht man eine solche Bescheinigung nicht ein, so wird man mit 100%tiger Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen vom Marktplatz.

Antrag zur Ausstellung der §22f UstG Bescheinigung

Neben der Frage, wieso überhaupt eine extra Bescheinigung (?), stellt sich also die Frage, woher man so eine §22f-Bescheinigung bekommt. In Zeiten der elektronischen Steuererklärung Elster und elektronischen Antragsformularen beim Bundeszentralamt für Steuern Online Portal (BOP) würde man meinen, dass man die Bescheinigung einfach elektronisch beantragen kann. Wieder weit gefehlt! Denn wer 2018 ein Gesetz beschließt, kann im Jahr 2021 noch kein Online-Formular bereitstellen, welches man mit dem DA-FormMaker in 5 Minuten erstellt hat. Nein, vielleicht auch aufgrund der nicht nachvollziehbaren Wichtigkeit, geht man hier bisher noch den konventionellen Weg. Das heißt, man druckt sich ein PDF-Formular aus, welche zum Glück bereitgestellt wird, füllt dieses aus und tütet es in einem Briefumschlag ein. Danach noch die Briefmarke mit der Zunge anfeuchten und auf dem Umschlag befestigen und dann ab damit in den nächstgelegenen Briefkasten. Zu richten ist der Antrag an das jeweils fürs Unternehmen zuständige Finanzamt. Man kann den Antrag auch formlos ohne das PDF-Formular stellen sogar angeblich per E-Mail; muss dann jedoch darauf achten, dass alle notwendigen Angaben enthalten sind.

Download Antragsformular

Während man bei Amazon die §22f-Bescheinigung als digitales Dokument hochladen soll, bekommt man vom Finanzamt die Bescheinigung in Papierform. Also muss man auch noch mal den Scanner bemühen.

Fazit

Digitales Deutschland…will mal Big Player in Künstlicher Intelligenz (KI) werden! Die elektronische Antragstellung ist zwar in Aussicht gestellt, aber Stand 2021 bisher noch nicht umgesetzt. Und auch wenn jeder dieser Arbeitsschritte kein riesen komplizierter Akt an sich ist, so ist anzuprangern, dass dieses Bürokratiemonster von der eigentlichen produktiven Arbeit abhält und die Nachweispflichten der Großen indirekt auch wieder bei den Kleinen abgeladen werden.